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Exkursion und der Einsatzsimulation mit der WW-Coburg am 07.04.18


Tagesthema: Vorstellung und Einblick in die Organisation/Funktionsbereiche/Aufgaben der Wasserwacht (Coburg), theoretische Inhalte zu den Wasserwachtsrelevanten Notfällen Dekompressionskrankheit, Barotrauma und Beinaheertrinken/ Ertrinken sowie der Zusammenarbeit und Bewältigung zweier Einsatzsimulationen durch die Zusammenarbeit der Führungskräfte am Einsatzort.

Die Teilnehmer des Ergänzungslehrganges 960/1 2018 der Berufsfachschule für Notfallsanitäter/Kompetenzzentrum Rettungsdienst Bayreuth haben am 07.04.2018 mit dem Dozent und Berufsfachlehrer Matthias Buley sowie der Wasserwacht Coburg am Main bei Lichtenfels/Vierzehnheiligen ein gemeinsames Training absolviert. Auf dem Tagesplan stand dabei primär die gemeinsame Abarbeitung und Bewältigung von Einsatzszenarien. Hierzu hatten die Teilnehmer im Vorfeld von dem Berufsfachlehrer und Wasserwachtler Philipp Tausch am Donnerstag einen einleitenden Fachvortrag zu der Organisation, den Aufgabengebieten und Arbeitsweisen der Wasserwacht in Bayern (exemplarisch WW Coburg) erhalten. Ebenso wurden grundlegende theoretische Inhalte zu speziellen Wassernotfällen wiederholt und das Wissen auf den neuesten Stand gebracht. Somit konnten wir am folgenden Samstag mit den Einsatzszenarien beginnen.

Vormittags ab 09:00 bis ca. 10:00 Uhr erhielten alle Beteiligten eine kurze Einweisung in die zur Verfügung stehenden Einsatzmittel sowohl von der Wasserwacht als auch von Seiten des Rettungsdienstes. Danach wurden die Teams und die jeweiligen Besatzungen der einzelnen Rettungsmittel für das erste Simulationsfallbeispiel eingeteilt. Besonders hervorgehoben wurde, inwiefern sich die Wasserwacht und der Rettungsdienst gegenseitig unterstützen können, um Einsätze effektiv und professionell abzuarbeiten.

Das erste Szenario begann um ca. 10:30 Uhr und in diesem wurde durch die integrierte Leitstelle nach dem Meldebild einer in Not geratenen Personen am Main alarmiert. Das Einsatzstichwort war zunächst auf Grund der unklaren Lage: „erkrankte Person“ RD 1. Der eintreffende RTW stellte nach einer Lage auf Sicht sowie kurzer Lagebeurteilung nach dem Eintreffen zwei Personen am gegenüberliegenden Flussufer fest. Eine Person reglos im Wasser, die andere sitzend und auf sich aufmerksam machend am Flussufer. Somit wurde die Alarmierungsstufe durch den RTW von RD 1 auf RD 3 erhöht und zusätzlich, durch die für den Rettungsdienst „unerreichbare“ Einsatzstelle, auch die Wasserwacht (Coburg) alarmiert. In den nachfolgenden Minuten trafen somit ein weiterer RTW und ein ELRD ein. Das NEF hatte eine Anfahrtszeit von ca. 20 min und war noch nicht vor Ort. Der ELRD übernahm nach kurzer Übergabe durch den erst eintreffenden RTW die Einsatzlage. Zeitgleich erreichte auch die Wasserwacht mit einem Geräte- und Mannschaftswagen mit Rettungsbot die Einsatzstelle. Nach einer kurzen Rücksprache des ELRD mit dem ELWW wurde die Entscheidung getroffen, das Rettungsboot zu Wasser zu lassen und zu nächst die reglose Person aus dem Wasser zu bergen und einer Erstversorgung durch den ersten RTW zu zuführen. Danach sollte das Team des zweiten RTWs am gegenüberliegenden Ufer abgesetzt werden, um eine Erstversorgung des zweiten, noch ansprechbaren Patienten, vorzunehmen.

Die Bergung des ersten Patienten ergab einen kritisch, komatösen Patient mit einer A, B und C Problematik durch eine vorhandene Atemwegsverlegung durch beinahe Ertrinken sowie einer Bradypnoe und starker Zyanose. Des Weiteren wies der Patient eine deutliche Bradykardie und Hypothermie auf. Die weitere Versorgung übernahm nach einer entsprechenden Übergabe durch die Wasserwacht das Team des ersten RTWs.

Danach wurde das zweite RTW-Team problemlos durch den Einsatz des Rettungsboots auf die gegenüberliegende Flussuferseite übergesetzt. Eine rasche Untersuchung zeigte eine Patientin mit klarer C und D Problematik durch eine dislozierte Sprunggelenksluxationsfraktur rechts mit DMS-Auffälligkeit sowie einer leichten Unterkühlung. Die SAMPLER(S)-Anamnese ergab bei E, dass der erste Patient beim Spazieren gehen am Fluss hineingestürzt war und nicht mehr herauskam. Beim Rettungsversuch knickte der zweite Patient um und verletzte sich am rechten Sprunggelenk.

Im weiteren Verlauf gehörten die enge Zusammenarbeit und Einsatzkoordinierung der unterschiedlichen Fachdienste sowie ihrer Einsatzleiter zu den nachfolgenden Aufgaben der Beteiligten. Ebenso die fachgerechte und professionelle Versorgung der Patienten.

Um 12:00 Uhr endete das erste Fallbeispiel und während einer Mittagspause konnten alle Teilnehmer neue Kraft für das zweite Szenario tanken.

Das zweite Simulationsbeispiel wurde von 13:00 Uhr bis ca. 14:30 Uhr durchgeführt. Auch hier war zunächst eine unklare Einsatzmeldung der Alarmierungstand. Einsatzstichwort war: „abtreibende reglose Person im Main“. Ähnlich wie zum ersten Fallbeispiel wurde schnell der Alarmierungsstatus von RD 1 auf RD 3 erhöht, da nicht ein Patient sondern bereits zwei Patienten vermutet wurden. Auch die Wasserwacht wurde wieder mitalarmiert. Da, nach dem Eintreffen der Wasserwacht keine Patienten mehr auf Sicht im Main zu erkennen waren, wurde zügig das Rettungsboot zu Wasser gelassen und der Fluss in Fließrichtung mit einer Wasserwachtsmannschaft abgesucht. In mehr als ca. 500 Meter Entfernung wurden im Anschluss zwei verunglückte Taucher von der Rettungsmannschaft gefunden und geborgen. Dabei ergab sich für das Bootsteam folgende Situation: ein Taucher war ansprechbar und der zweite bewusstlos. Unter zügigem Rücktransport erfolgte die Erstversorgung der Patienten. Die Befragung zum Ereignis ergab, dass unter Wasser ein Tauchproblem auftrat, wodurch ein Notaufstieg durchgeführt wurde.

Nach der Übergabe der Rettungsmittel an Land, zeigten sich schnell Zustandsverschlechterungen und die weiteren Diagnostiken ergaben bei Taucher 1 den v.a. ein Barotrauma der Lunge mit anschließendem Spannungspneumothorax und bei Taucher 2 ein v.a. eine Dekompressionskrankheit. Das zweite Szenario schloss um ca. 14:30 Uhr mit einer gelungenen Rettung, Weiterversorgung und Abtransport der „verunglückten Taucher-mimen“ ab.

Nach jedem Fallbeispiel fanden umfassende Debriefings mit kritischer Reflexion und Feedbacks der Fachabteilungen zu den Szenarien statt, die neben den notfallmedizinischen und fachgebietsrelevanten Punkten auch das Thema „Crisis Resource Management“ enthielten. Der Lehrgang schloss um ca. 15 Uhr mit dem Fazit:

Ein regelmäßiges Training der unterschiedlichsten Fachdienste, die im oder mit dem Rettungsdienst zusammen wirken ist immer noch selten und muss unabdingbar und zahlreich sowohl in der Ausbildung aber auch während der beruflichen Tätigkeit erfolgen. Gerade dabei sollte besonders die interspezifische Fachorganisationskommunikation, aber auch mögliche Unterstützungsschnittstellen und notfallmedizinsiches Wissen aller Bereiche trainiert und ausgetauscht werden. So können einsatzrelevante Punkte, wie Alarmierungsgründe, Aufgaben- und Fachbereiche sowie Leistungskapazitäten der „Spezialkräfte“ klarer aufgezeigt und erlernt werden. In diesem Zusammenhang waren die Einblicke und das Zusammenarbeiten für alle Beteiligten überaus lehrreich und alle Lehrgangsziele wurden erreicht bzw. übertroffen.

Abschließend möchte ich mich persönlich bei den organisierenden und mit durchführenden Personen bedanken: Philipp Tausch (Leitung und Bootsführer der WW Coburg), Florian Kristek (Mitorganisator und ILS-Simulation sowie ELRD), Michael Bauer (Verpflegung).

Natürlich möchte ich mich auch bei dem gesamten Ergänzungslehrgang und dem Wasserwachtsteam Coburg sowie ihrer tatkräftigen und motivierten Unterstützung und Hilfe herzlichst bedanken.

Ebenso ein dankender Gruß an die BRK Bereitschaft aus Kronach und Coburg die uns die Nutzung der Fahrzeuge und des Materials erst ermöglichten.

Die Berufsfachschule für Notfallsanitäter/Kompetenzzentrum Rettungsdienst Bayreuth bedankt sich für diese problemlose und absolut erfolgreiche Zusammenarbeit und hofft auf viele weitere Nutzungsmöglichkeiten. In diesem Sinne wünschen wir allen eine schöne restliche Woche und bis bald!

 

Matthias Buley, Dozent und Berufsfachlehrer Rettungsdienst, Rettungsassistent, BRK Bayreuth, Bayreuth den 16.04.2018.